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Apr 02

Videoportale – das neue Geschäftsmodell

Was in den USA bereits ein großes Geschäft ist, kommt in Deutschland kaum voran: ein Online-Abrufportal für TV-Programme möglichst vieler Anbieter. Nachdem die Mediengruppe RTL und ProSiebenSat.1 mit ihrem Joint Venture „Amazonas“ vor dem Bundeskartellamt gescheitert sind, prüfen die Wettbewerbshüter nun das von ARD und ZDF initiierte Projekt „Germany’s Gold“. Auch der Provider Mondia Media will bis zum Jahresende eine senderübergreifende On-Demand-Videoplattform realisieren.

Nach monatelangem Tauziehen haben die Mediengruppe RTL Deutschland und die ProSiebenSat.1 Media AG den Kampf um ein gemeinsames Videoportal aufgegeben. Vertreter beider Sendergruppen gaben bekannt, ihre Unternehmen würden das Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf akzeptieren und es nicht mit einer Nichtzulassungsbeschwerde anfechten. Vom Gericht war am 8. August eine Entscheidung des Bundeskartellamtes bestätigt worden, mit der die Bonner Wettbewerbshüter bereits im März 2011 ein gemeinsames, werbefinanziertes Videoportal der Mediengruppe RTL und der ProSiebenSat.1 Media AG gestoppt hatten. Aus Sicht der Kartellwächter hätte das Gemeinschaftsportal „Amazonas“ das „marktbeherrschende Duopol auf dem deutschen TV-Werbemarkt weiter verstärkt“.
Erfolgreiches Vorbild aus den USA

In den USA bietet die Plattform Hulu bereits seit vier Jahren TV-Sendungen der großen TV-Programme auf Abruf (siehe Artikel Internetfernsehen macht Fernsehprogrammen Konkurrenz). An dem Video-on-Demand-Service sind die US-Medienkonzerne News Corporation (Fox), NBC Universal (NBC) und Disney (Network ABC) beteiligt. Diese Unternehmen stellen Filme und TV-Serien aus ihren TV-Programmen als Streaming-Angebote bereit. Vieles bei Hulu ist gratis. Seit knapp zwei Jahren existiert außerdem die kostenpflichtige Plattform Hulu Plus, bei der nicht nur die jeweils zuletzt ausgestrahlten Folgen einer Serie, sondern komplette Staffeln zu sehen sind.

In Deutschland können die Hulu-Angebote aus den USA zurzeit nur mithilfe eines Datenumwegs über amerikanische Server genutzt werden. Dies ermöglicht etwa das kostenlose Software-Modul Cocoon für den Firefox-Browser. Voraussetzung für das Anschauen der Hulu-Videos ist nämlich, dass der Nutzer über eine amerikanische IP-Adresse verfügt. Auch der Dienst Easy-Hide-IP baut eine Verbindung in die USA auf und sorgt somit dafür, dass man mit einer amerikanischen IP-Adresse surfen kann. Dafür werden allerdings 4,95 Dollar pro Monat oder 29,95 Dollar pro Jahr berechnet – und der Service funktioniert nicht für Apple-Computer.